Kapitel 7 · Sepia- & Warmtonung
Tonung: Wärme aus der Chemie
Tonung war Chemie, nicht Geschmackssache allein: Beim Sepia-Bad wurde das Silber des fertigen Abzugs erst gebleicht und dann in Schwefelsilber umgewandelt — das Bild wurde bräunlich und haltbarer, denn Schwefelsilber altert langsamer als reines Silber. Selentonung wiederum vertiefte die Schwärzen ins Kühl-Violette und schützte ebenfalls vor dem Ausbleichen; Adams selbst tonte fast alle seine Abzüge leicht mit Selen. Daneben gab es den sanfteren Weg über das Papier: Warmton-Papiere lieferten die cremige Anmutung schon aus der Emulsion, ganz ohne zweites Bad.
Das Übungsbild verträgt Wärme gut: die Lehmkirche von Taos Pueblo, deren Adobe-Wände ohnehin nach Erdtönen verlangen. Zwei Wege führen zum Ziel — das Bad und das Papier.
Schritt 1: Der neutrale Abzug
Der Ausgangs-Scan ist ein neutraler Schwarzweiß-Abzug: Glockenturm und Friedhofstor stehen klar im Licht, die Grauwerte sind sauber verteilt. Eine gute Basis — Tonung ist immer der letzte Schritt, nie der erste. Wer ein flaues Bild tont, bekommt ein flaues braunes Bild.
Schritt 2: Das Sepia-Bad
Der erste Weg simuliert das Bad. Eine Einordnung vorweg: Im Labor kam die Tonung nach dem Entwickeln, Fixieren und gründlichen Wässern. Bei einem klassischen Zweibad-Sepiatoner wurde das Bildsilber zunächst gebleicht und danach im Tonerbad in Silbersulfid überführt. Der ganze Abzug lag im Bad; für eine gleichmäßige Tonung wurde weiterbehandelt, bis auch die dichtesten Bildpartien vollständig und gleichmäßig umgesetzt waren.
Mobile Darkroom bildet den Farbeindruck digital nach. Tippe im Ebenenband auf das +, wähle Filter, dann Vollfilter und unter Tonung die Farbe Sepia. Stelle die Stärke auf 85 %. Anders als ein Verlaufsfilter in Sepia wirkt der Vollfilter gleichmäßig auf das ganze Bild, und der Belichtungsausgleich hält die Helligkeit des Abzugs. In hellen und mittleren Tonwerten ist das Braun deutlicher sichtbar, während dichte Schatten optisch dunkel verankert bleiben. Das ist eine visuelle Annäherung an den fertigen getonten Abzug — keine Simulation der chemischen Reaktion im Papier.
Schritt 3: Warmton-Papier
Der zweite Weg geht über das Papier. Entferne den Sepia-Filter wieder und wähle Fotofilm → Schwarzweiß → Mono 400. Stelle die Ausgabe auf Fotoabzug; das Warmton-Fotopapier findest du unter Entwicklung & Abzug:
| Einstellung | Wert |
|---|---|
| Film | Mono 400 |
| Ausgabe | Fotoabzug |
| Fotopapier | Warmton-Fotopapier |
| Filmstärke | 100 % |
| Filmkorn | 25 % |
| Korngröße | 40 % |
| Halation | 12 % |
Das Ergebnis ist zurückhaltender als das Sepia-Bad: kein Braunstich, sondern eine cremige Grundwärme, die aus der Emulsion zu kommen scheint. Der Hauch Halation legt ein feines Glühen um die sonnenbeschienenen Mauerkanten.
Vorher und nachher
Merksatz aus der Dunkelkammer, der digital genauso gilt: Tonung ist Interpretation, nicht Korrektur. Sie kommt zum Schluss, sie bleibt dezent — und sie funktioniert nur auf einem Abzug, der vorher schon stimmt.




