Kapitel 5 · Filmwahl & Farbfilter vor der Linse
Schwarzweiß entwickeln: Film wählen, Farben steuern
Schwarzweiß begann nie erst in der Dunkelkammer — es begann beim Einlegen des Films. ISO 100 für feines Korn im Studio, ISO 400 als Allround-Reportagefilm, hochempfindliches Material für die Nacht. Und es begann vor der Linse: Ein Farbfilter entschied, wie Farben zu Grau werden. Der berühmteste Fall ist Adams’ „Monolith, the Face of Half Dome” von 1927: Statt des üblichen Gelbfilters schraubte er ein tiefrotes Glas vor das Objektiv — der blaue Himmel fiel auf nahezu Schwarz, und aus einer Felswand wurde ein Drama. (Auch dieses Bild ist ein Privatwerk; die Technik dahinter gehört trotzdem allen.)
Ein Rotfilter macht nichts Magisches: Er lässt rotes Licht passieren und schluckt blaues — Blau wird dunkel, Rot hell. Digital drehst du diese Übersetzung direkt an den Farben, bevor das Bild monochrom wird. Da die NARA-Scans bereits fertige Schwarzweiß-Abzüge sind, arbeitet dieses Kapitel mit dem eingebauten Farb-Beispielbild: ein Abendblick von der Zugspitze als RAW.
Schritt 1: Die Farben sehen
Lade das Beispielbild und bleib einen Moment bei der Farbe: Das letzte Sonnenlicht liegt warm auf den Gratkanten, alles andere — Schattenflanken, Dunst, die Kette am Horizont — ist tiefes Blau. Für die Übersetzung nach Grau heißt das: Wer das Blau-Türkis-Band absenkt, dunkelt Schatten und Dunst ab und lässt das warme Licht stehen — genau die Trennung, die ein Rotfilter erzeugt hätte.
Schritt 2: Den Rotfilter wählen
Öffne Fotofilm → Schwarzweiß und wähle Mono 400. Stelle den Aufnahmefilter auf Rotfilter. Er wird innerhalb der Filmverarbeitung vor der Grauumwandlung angewendet: blaue Schatten und Dunst werden dunkler, warmes Gratlicht hebt sich davon ab. Vergleiche kurz mit Ohne Filter, um die Wirkung allein zu beurteilen, und kehre zum Rotfilter zurück.
Für das klare Zwischenbild verwenden wir folgende Einstellungen:
| Einstellung | Wert |
|---|---|
| Film | Mono 400 |
| Aufnahmefilter | Rotfilter |
| Ausgabe | Fotoabzug |
| Fotopapier (Entwicklung & Abzug) | Neutrales Fotopapier |
| Filmstärke | 100 % |
| Filmkorn | 0 % |
| Halation (Emulsion & Licht) | 0 % |
Das Bild ist bereits schwarzweiß. Der Filter verändert, wie die vorhandenen Farben in Grau übersetzt werden; auf einem bereits monochromen Scan hätte er diese Wirkung nicht. Gelbfilter und Orangefilter sind sanftere Alternativen für Motive, bei denen Rot zu kräftig eingreift.
Schritt 3: Abzug und Korn gestalten
Lasse Mono 400 und den Rotfilter aktiv. Wähle unter Entwicklung & Abzug → Fotopapier den Kontrastreichen Fotoabzug und füge Korn hinzu. Die Papiergradation bleibt bei 2:
| Einstellung | Wert |
|---|---|
| Film | Mono 400 |
| Aufnahmefilter | Rotfilter |
| Ausgabe | Fotoabzug |
| Fotopapier | Kontrastreicher Fotoabzug („Dicht”) |
| Gradation | 2 |
| Filmstärke | 100 % |
| Filmkorn | 35 % |
| Korngröße | 45 % |
| Halation | 10 % |
| Belichtung (Licht) | +0,30 EV |
| Tiefen (Licht) | +25 |
Die leichte Anhebung von Belichtung und Tiefen hält die Schattenstruktur auf dem kontrastreichen Papier lesbar. Prüfe das Korn in der Vergrößerung und passe seine Stärke an die gewünschte Ausgabegröße an.
Vorher und nachher
Der Aufnahmefilter bestimmt die Grauübersetzung, Papier und Gradation formen den Kontrast, Filmkorn gibt dem Ergebnis Struktur. Alle drei Entscheidungen bleiben getrennt veränderbar und lassen sich rückgängig machen.




