Tiefe: simulierte Schärfentiefe

Die beschriebenen Neuerungen gelten ab Version 1.5. Welche Version für dich verfügbar ist, siehst du im App Store.

Das Werkzeug Tiefe simuliert eine Schärfentiefe, die es bei der Aufnahme so nicht gab, oder verstärkt eine vorhandene. Es braucht dafür eine Tiefenkarte — ohne sie bleiben alle Regler ausgeblendet.

Tiefenquellen

Quelle Herkunft
Aufgenommen eingebettete Disparitäts-/Tiefenkarte aus dem Foto selbst
KI-geschätzt lokal auf dem Gerät berechnet mit Depth Anything V2 Small

Der Umschalter zwischen beiden Quellen erscheint nur, wenn eine aufgenommene Tiefenkarte vorliegt. Fehlt sie, schätzt die App automatisch, sobald keine eingebettete Karte vorhanden ist.

Wichtig: Die KI-geschätzte Tiefenkarte ist ausdrücklich eine Schätzung, keine Messung. Während sie berechnet wird, zeigt die App:

„Depth Anything V2 Small arbeitet vollständig auf diesem Gerät. Das Foto kann währenddessen weiter bearbeitet werden.”

Liegt gar keine Tiefenquelle vor:

„Dieses Bild enthält keine aufgezeichneten Tiefendaten. Die lokale Schätzung ist noch nicht verfügbar.”

Schlägt die Schätzung fehl, erscheint „Tiefenschätzung nicht möglich” mit individueller Fehlermeldung und einem Button „Erneut lokal schätzen”.

Fokus setzen

„Fokus direkt im Bild antippen oder ziehen”

Regler

Alle acht Regler sind nur sichtbar, wenn eine Tiefenkarte vorhanden ist:

Regler Bereich Standard Wirkung
Blendenwirkung f/16 … f/1,4 ≈f/5,3 Stärke der simulierten Schärfentiefe (siehe unten)
Tiefenübergang 4 … 80 % 25 % wie weich Schärfe in Unschärfe übergeht
Blendenform 3 Formen Rund Form der Unschärfekreise in den Lichtern
Lamellenwinkel −180° … +180° 0° Drehung der Blendenlamellen (nur bei nicht-runder Form)
Bokeh-Profil −100 … +100 0 (Gleichmäßig) Helligkeitsverteilung innerhalb eines Unschärfekreises, von seiner Mitte bis zum Rand
Bokeh-Lichter 0 … 100 % Aus (0 %) Verstärkung heller Lichtkreise in der Unschärfe
Lichterschwelle 0 … 100 % 45 % ab welcher Helligkeit ein Lichtkreis verstärkt wird
Bokeh-Weichheit 0 … 100 % 70 % Weichheit der Unschärfekreise

RAW-Unterschied: keiner — alle acht Regler laufen unabhängig vom Bildformat über denselben Bereich.

Die Blendenwirkung als f-Zahl

Statt eines abstrakten Prozentwerts zeigt „Blendenwirkung” direkt eine f-Zahl an, berechnet zwischen f/16 (kaum Unschärfe) und f/1,4 (starke Unschärfe):

Reglerstellung Angezeigte f-Zahl
0 % f/16
45 % (Standard) ≈f/5,3
100 % f/1,4

Eigene Standardwerte speichern

Mit Als meinen Standard speichern übernimmst du die optischen Einstellungen für neu importierte Fotos und als deren Rücksetzwerte. Aktivierung, Fokuspunkt und Tiefenquelle werden nicht mitgespeichert; bestehende Projekte behalten ihre Einstellungen. Das Menü daneben bietet App-Standard für neue Fotos verwenden, um wieder mit den ursprünglichen Vorgaben zu starten. Die Tabellen oben zeigen diese App-Vorgaben.

Blendenformen

Form Beschreibung
Rund rund approximierte Unschärfekreise
„6” sechs Blendenlamellen
„8” acht Blendenlamellen

Tiefe vs. Objektiv: zwei getrennte Bokeh-Mechaniken

Die drei internen Render-Parameter für Wirbel-, Seifenblasen- und Anamorph-Bokeh (Swirl, Bubble, Squeeze) gehören nicht zu diesem Werkzeug — sie werden ausschließlich über das Werkzeug Objektiv gesteuert (Presets „Swirl 58”, „Seifenblase”, „Anamorph” sowie der Experten-Regler „Bokeh”). Tiefe liefert die eigenständige Bokeh-Steuerung der Schärfentiefe selbst (Blendenform, -winkel, -profil, -lichter, -schwelle, -weichheit). Sind beide aktiv, wirken sie laut App zusammen.

Falschfarben-Ansicht

Ein Toggle „Tiefenkarte in Falschfarben zeigen” blendet die Tiefenkarte selbst ein, mit einer Farblegende von „Fern” bis „Nah” — nützlich, um zu prüfen, ob die Tiefenkarte das Motiv korrekt von Vorder- und Hintergrund trennt, bevor du die Regler feinjustierst.

Unschärfe an Objektkanten

Die Berechnung verteilt das Bild auf Tiefenebenen und verrechnet diese von hinten nach vorne. Ein unscharfes Objekt wird dabei mitsamt seiner Kontur weichgezeichnet; eine scharfe Kante in der Tiefenkarte soll nicht als scharfer Umriss im unscharfen Hintergrund stehen bleiben.

Das ersetzt keine optische Aufnahme: Glas, Durchsicht, feine Haare und falsch geschätzte Tiefen können weiterhin Artefakte erzeugen. Verdeckter Hintergrund wird aus benachbarten Bildbereichen ergänzt, nicht aus dem Foto zurückgewonnen. Prüfe kritische Ränder vergrößert und reduziere bei Bedarf die Blendenwirkung. Für gezielte Unschärfe ohne Tiefenkarte gibt es Details → Weichzeichnen, auch innerhalb einer Maske.

Export-Sperre

Ist die Tiefenunschärfe aktiviert, aber keine Tiefenkarte verfügbar (z. B. weil die Schätzung noch läuft), blockiert der Export mit einer eigenen Fehlermeldung — siehe Kapitel „Export”.

Praxis-Tipps

  • Prüfe zuerst mit der Falschfarben-Ansicht, ob die Tiefenkarte dein Motiv sauber vom Hintergrund trennt, bevor du an der Blendenwirkung drehst — eine ungenaue Karte zeigt sich dort sofort.
  • Für ein klassisches Porträt-Bokeh reicht meist eine mittlere Blendenwirkung (f/4–f/5,6) mit runder Blendenform — extreme Werte wie f/1,4 wirken schnell künstlich, wenn die Tiefenkarte nicht perfekt ist.
  • Kombiniere Bokeh-Lichter mit einer niedrigeren Lichterschwelle, um in einem Bild mit vielen kleinen Lichtquellen (z. B. Lichterketten im Hintergrund) ausgeprägte Bokeh-Kreise zu erzeugen.
  • Kapitel 10 der Tutorial-Serie („Was die Dunkelkammer nicht konnte: Tiefe wählen”) führt durch das Zusammenspiel von aufgenommener und KI-geschätzter Tiefe an einem Beispielbild.
Tiefe: simulierte Schärfentiefe

Alle Schritte laufen lokal auf deinem Gerät. Das Original bleibt unangetastet — exportiert wird eine neue Kopie.